Rheinland-Pfalz hat gewählt. Die SPD verliert 9,8 Prozentpunkte und landet bei 25,9 Prozent. Die AfD gewinnt 11,2 Punkte und kommt auf 19,5 Prozent. Noch am Wahlabend stellt sich Bärbel Bas, Bundesparteivorsitzende der SPD, bei Phoenix den Fragen des Moderators. Das Interview dauert keine sechs Minuten. Es ist aufschlussreicher als jede Pressemitteilung.
Auf die Frage, woran es gelegen habe, antwortet Bas: Der Bundestrend habe eine Rolle gespielt. Schweitzer habe trotzdem noch besser abgeschnitten als die SPD im Bund. Die Niederlage sei also nicht seine Schuld – sie sei dem Umfeld geschuldet.
Schweitzer verliert, weil Berlin zu schwach war. Berlin ist zu schwach, weil der Vertrauensverlust tief ist und über Jahre entstanden. Und dieser Vertrauensverlust? Der wird gerade aufgearbeitet. Seit zehn Monaten. Mit dem Grundsatzprogrammprozess.
Nachfrage: Warum wird die Arbeit der SPD von den Wählern nicht wahrgenommen? Bas antwortet:
„Also, wir haben ja zumindest, was die Umfragen sagen, dass wir uns viel zu sehr um Bürgergeldempfänger gekümmert haben und weniger um die arbeitenden Menschen. Und das ist ein Befund – der wie ich sage zwar so nicht stimmt, aber wenn die Wahrnehmung so ist, dann haben wir in der Tat ein Glaubwürdigkeitsproblem."
Phoenix, 22.03.26: Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zum Ergebnis der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
Bas erkennt die Wahrnehmung – und bestreitet gleichzeitig die ihr zugrundeliegende Realität. Die Wähler haben den falschen Eindruck. Die SPD hat eigentlich das Richtige getan. Das Glaubwürdigkeitsproblem liegt also nicht in der Politik, sondern in der Wahrnehmung dieser Politik.
Das ist eine bemerkenswerte Konstruktion. Sie erlaubt es, eine Niederlage einzugestehen, ohne irgendetwas an der eigenen Politik in Frage zu stellen.
Das Problem sind nicht wir. Das Problem ist - wie immer - dass die Wähler uns falsch verstehen.
Kommunikation statt Haltung
Was folgt, ist das bekannte Programm: klarere Sprache, schärferes Profil, weniger Vielstimmigkeit. Die Menschen sollen wieder wissen, wofür die SPD steht. Das Grundsatzprogramm wird das leisten. Die Inhalte werden neu ausgerichtet.
Das ist Kommunikation als Antwort auf ein Haltungsproblem. Wer glaubt, dass die Wähler die SPD nur besser verstehen müssen, muss an seiner Sprache arbeiten. Wer akzeptiert, dass die Wähler die SPD verstanden haben und trotzdem gegangen sind, muss an seiner Politik arbeiten. Bas wählt die erste Option.
Am Ende des Interviews sagt sie: „Ich habe nicht vor, dieses Land der AfD zu überlassen." Das ist ein starker Satz. Aber er beantwortet nicht die Frage, warum immer mehr Wähler die AfD der SPD vorziehen – und was die SPD daran ändern will, außer klarer zu kommunizieren.
Was das bedeutet
Das Muster, das Bas im Bundesinterview zeigt, ist kein persönliches Versagen. Es ist das Standardrepertoire einer Partei, die Niederlagen verwaltet, anstatt sie zu analysieren: Schmerz eingestehen, Ursachen woanders suchen, Kommunikation optimieren.
Dass dieses Muster nicht auf die Bundesebene beschränkt ist, zeigt ein Blick in den Landkreis Marburg-Biedenkopf nach der hessischen Kommunalwahl vom 15. März 2026. Dort formulieren drei führende SPD-Vertreter dieselbe Grammatik – mit denselben Lücken.
Dazu mehr im nächsten Beitrag.
