Auf dem GMP PharmaCongress in Wiesbaden haben Vertreter von Eli Lilly erklärt, warum sie sich für den Standort Alzey entschieden haben. Fünf Gründe:
- Strategic Location Synergies
- Biotechnology Cluster
- Academia & Industry Network
- Skilled Workforce
- Community Partnership
Die Liste, die Marburg kennen sollte
Ich habe mir die Liste angeschaut und gedacht: Das hätte auch die Überschrift für eine Marburg-Präsentation sein können. Tradition seit Emil von Behring. Philipps-Universität mit biomedizinischer Forschung. 120 Jahre Fachkräfteausbildung in Serumproduktion und Impfstoffherstellung. CSL, BioNTech, GSK auf einem Campus.
Hätte. Könnte. Müsste.
Denn bei „Community Partnership" wird es schwierig, wenn der Ortsbeirat den Masterplan „in scharfer Form" ablehnt und als Antwort „zeitkritisch" hört. Bei „Strategic Location Synergies" wird es eng, wenn die Forschung abwandert und nur Produktion bleibt. Und bei „Biotechnology Cluster" hilft es wenig, wenn ein Investor anklopft und die Antwort lautet: Haben wir leider keine Flächen.
Was in Alzey gerade entsteht
Der Vortrag von Bhushan Desai (Associate Vice President) und Elodie Lorget (Senior Director Quality) war eines der Highlights auf dem diesjährigen GMP PharmaCongress. Das Werk in Alzey ist mit einer Investitionssumme von rund 2,3 Milliarden Euro eines der derzeit größten und modernsten Pharma-Bauprojekte in Deutschland – und steht exemplarisch dafür, was eine konsequente „Greenfield"-Umsetzung modernster GMP-Standards leisten kann.
Die Produktion in Alzey soll voraussichtlich Ende 2027 starten. Der Standort wird dann eine Schlüsselrolle in Lillys globaler Lieferkette für seine stark nachgefragten Injektionsmedikamente einnehmen.
Lilly hat in Alzey gefunden, was Marburg hätte bieten können. 2,3 Milliarden Euro Investition, über 1.000 neue Arbeitsplätze, Produktionsstart 2027 – eines der größten Pharma-Bauprojekte Deutschlands derzeit.
War Lilly 2023 schon einmal in Marburg?
Und es bleibt eine Frage, die sich beim Blick auf Wiesbaden aufdrängt: Könnte Eli Lilly der Investor gewesen sein, der 2023 in letzter Minute abgesprungen ist?
Die Oberhessische Presse berichtete damals unter dem Titel Deshalb geht Marburg ein Mega-Deal durch die Lappen von einem US-Pharmariesen mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro und 1.000 geplanten Arbeitsplätzen am Behring-Standort – der sich zurückzog, weil Görzhausen III durch den BioNTech-Optionsvertrag blockiert war.
Ob es Lilly war oder nicht – die Geschichte klingt bekannt.
Was sich aus meiner Sicht ändern muss, damit der nächste Investor bleibt, habe ich in dem Artikel Pharmastandort Marburg: Jetzt handeln aufgeschrieben.