Der direkte Vergleich der Neujahrsreden von 2025 und 2026 offenbart bei Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ein politisches Lehrstück an Realitätsferne.
Noch im Januar 2025 war der Tenor kämpferisch: „Gegen Verzagtheit hilft nur Machen“. Trotz massiver Gewerbesteuer-Rückzahlungen von über 100 Millionen Euro betonte der Kämmerer, man verfüge über ein „großes Vermögen“ und werde sich „auch in Zukunft alles Notwendige leisten können“. Es wurde das Bild einer Stadt gezeichnet, die auf einem unerschöpflichen finanziellen Polster sitzt - Rede zum Neujahrsempfang 2025.
Nur zwölf Monate später ist der Optimismus der nackten Panik gewichen. Plötzlich spricht Spies von der „größten Finanzkrise der Nachkriegszeit“ und einem Defizit von fast 60 Millionen Euro. Doch wer trägt die Verantwortung? Spies zeigt mit dem Finger nach Berlin und Wiesbaden. Dabei ist die Schieflage in Marburg untrennbar mit seiner Amtsführung als Kämmerer verbunden - Rede zum Neujahrsempfang 2026.
Während die IHK Kassel-Marburg zu Recht vor der massiven Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes warnt, versucht die Stadtspitze, ihre verfehlte Ausgabenpolitik der "fetten Jahre" zu kaschieren. In der Ära der Rekordeinnahmen wurde der Personalapparat massiv ausgeweitet - vgl. OP 29.10.25 Kosten für Personal zu hoch - die Personalkosten blieben zwar laut Spies „relativ stabil“, sind aber aufgrund der Vielzahl an freiwilligen Leistungen und neuen Stellen ein gewaltiger Fixkostenblock geworden. Dass er nun 2026 stolz den Verzicht auf 39 Stellen als Erfolg verkauft, ist angesichts des vorherigen Aufwuchses reine Symptombekämpfung.
Die Rede 2026 beschwört nun das „Marburg Miteinander“. Übersetzt bedeutet das: Die Wirtschaft und die Bürger sollen den Preis für eine Konsolidierung zahlen, die viel zu spät eingeleitet wurde. Die unberechenbare Politik bei der Gewerbesteuer gefährdet den Standort nachhaltig.
Fazit: Verantwortung lässt sich nicht wegmoderieren
Am Ende zeigt der Vergleich der Reden von 2025 und 2026 eines ganz deutlich: Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ist als Kämmerer an seinem eigenen Anspruch gescheitert. Wer im einen Jahr noch das „Machen“ als Allheilmittel gegen jede Krise verkauft und nur zwölf Monate später die „größte Finanzkrise der Nachkriegszeit“ ausruft, hat entweder die Kontrolle über die Zahlen verloren oder die Bürger bewusst im Unklaren gelassen.
Die Mitschuld liegt nicht in Entscheidungen in Berlin oder Wiesbaden, sondern in der Marburger Rathaus-Strategie der letzten Jahre. Marburg hat ein Ausgabenproblem, kein Einnahmenproblem.
Schluss
Auszug aus der Neujahrsrede 2025: